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Weniger ist mehr: Was wirklich mit muss

Autorenbild: Brigitta Bischof
Brigitta Bischof
16. Juli
3 Min. Lesezeit

Zehn Jahre lang sind Stephan und ich mit unserem ersten Wohnmobil unterwegs gewesen, und wenn ich ehrlich bin: In fast jeder einzigen dieser zehn Jahre hatten wir zu viel dabei.



"Das könnten wir auch noch brauchen"

Es fing immer gleich an. Beim Packen kam mir ständig dieser eine Gedanke: "Das könnten wir auch noch brauchen." Oder: "Ein bisschen davon muss einfach dabei sein, sonst geht es nicht." Und so füllte sich das Wohnmobil, Stück für Stück, mit Dingen, die wir dann am Ende der Reise fast nie angerührt hatten.


Die Wahrheit holt einen dann aber spätestens auf der Waage ein. Unser Wohnmobil hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen, und die Zuladung, die uns dafür bleibt, liegt bei etwa 500 Kilo. Das klingt erstmal nach viel – bis man anfängt, wirklich alles aufzulisten, was mit muss.


Was zuerst in den Kofferraum kommt: das Fixe

Bei uns gibt es eine feste Reihenfolge beim Packen, die sich über die Jahre eingespielt hat.


Zuerst kommen die Dinge, die einfach immer mitfahren, egal wohin die Reise geht: die Fahrräder, unsere Wasserfilteranlage, die Campingstühle, der Liegestuhl, der Werkzeugkasten. Das ist Gewicht, das wir gedanklich gleich mal "abziehen" – das steht nicht zur Debatte, das gehört zum Grundgepäck.


Dann: das Wetter am Ziel entscheidet

Erst danach kommt die Kleidung – und hier ist der wichtigste Parameter für uns nicht "was mögen wir gerne tragen", sondern: Wohin geht die Reise, und wie ist das Wetter dort in genau diesem Monat?


Das macht nämlich einen riesigen Unterschied. Fahren wir im September nach Kroatien, packen wir anders als für eine Septemberreise nach Schweden. Und selbst innerhalb einer Reise kann sich das nochmal ändern: Machen wir auf der Rückfahrt von Kroatien noch einen Abstecher nach Österreich, kommen wir im Oktober vielleicht schon in ganz andere Temperaturen – dann muss entsprechend andere Kleidung mit.


Kleidung: weniger, als man denkt

Zu viele Kleider nehmen wir mittlerweile bewusst nicht mehr mit. Der Grund ist simpel, und er hat uns selbst am meisten überrascht: Wenn man vier bis sechs Wochen unterwegs ist, kommt man mit einer überschaubaren Menge Kleidung locker durch – denn wenn es wirklich mal knapp werden sollte (was fast nie passiert), kann man ja einfach mal waschen.


Das war für mich ein echter Lern-Moment. Jahrelang hatte ich das Gefühl, für jede erdenkliche Situation gerüstet sein zu müssen – gerade wenn wir in der Vor- oder Nachsaison unterwegs waren und plötzlich eine warme Jacke, ein Schal oder festere Schuhe gebraucht wurden. Diese Vorsicht ist an sich nicht falsch. Aber "für alles gerüstet sein" bedeutet eben nicht, von allem drei Varianten einzupacken.


Was danach noch dazukommt

Nach der wetterabhängigen Kleidung schauen wir, was an "Extras" noch Gewicht hat – bei mir sind das gerne mal ein paar Bücher, mein Häkelzeugs oder Malutensilien, der Laptop. Auch hier gilt: keine zu schweren Taschen oder Gebinde, damit sich das Gewicht nicht unnötig summiert.


Ganz am Schluss kommen Wasser und Lebensmittelvorräte – und die richten sich danach, wie viel Kapazität an Gewicht überhaupt noch übrig ist. Wenn wir merken, dass wir schon knapp beladen sind, kaufen wir Lebensmittel einfach vor Ort. Das ist heute ohnehin viel einfacher als früher: Man bekommt praktisch überall alles.


Warum wir wirklich wiegen – nicht nur schätzen

Eine Sache machen wir konsequent, seit wir gemerkt haben, wie wichtig sie ist: Wir wiegen unser Wohnmobil vor größeren Reisen tatsächlich, statt nur nach Gefühl zu packen.


Der Grund dafür ist die Route selbst. Wenn wir Richtung Süden fahren, geht es oft durch mehrere Länder hintereinander – aus der Schweiz nach Österreich, weiter nach Slowenien, nach Kroatien, oder auch nach Italien. Und jedes dieser Länder hat seine eigenen Gewichtsbestimmungen, mit eigenen Kontrollen und eigenen Bußgeldern. Es lohnt sich einfach nicht, wegen ein paar Kilo zu viel irgendwo eine Strafe zu zahlen. Das machen wir nicht – lieber vorher genau wissen, wo wir stehen.


Was am Ende bleibt

Reduziert zu reisen war für uns keine bewusste Entscheidung von Anfang an – es hat sich über die Jahre entwickelt, oft erzwungen durch die Waage, manchmal einfach durch Erfahrung. Aber im Rückblick ist genau das eine der Sachen, die wir am Wohnmobil-Leben am meisten schätzen gelernt haben: Man merkt, wie wenig man eigentlich wirklich braucht – und wie viel leichter (im wahrsten Sinne des Wortes) man dadurch unterwegs ist.


Und trotzdem: Es ist purer Luxus mit einem Wohnmobil unterwegs zu sein.

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